Karneval 2003 in der Hohen Tatra

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Nachdem bereits im Jahre 2002 über Karneval vier „Flügelrädler" eine viel beachtete Tour in die Hohe Tatra unternommen hatten, bot der Reisemarschall des Vereines, Ekki, auch für das Jahr 2003 eine solche Fahrt an. In der gewohnt perfekten Planung legte er bereits sehr frühzeitig ein sehr interessantes Programm vor.

Mit insgesamt acht Personen starteten wir am Mittwoch, den 26. März 2003, vormittags in Köln. Am dortigen Hauptbahnhof war um 11.00 Uhr Treffpunkt. Unser Transport oblag bis zur tschechischen Grenze zunächst der Deutschen Bahn AG. Wir konnten Ekki zuvor überreden, nicht allzu gutgläubig seinen Reiseplan nach den von den Fahrplanmachern der DB AG in den Computer gedruckten, planmäßigen Verkehrszeiten der Züge zu richten, sondern in den wichtigsten Knotenpunkten doch etwas mehr Zeit einzuplanen, um eventuelle Verspätungen aufzufangen. Gesagt, getan. Bereits unsere Abfahrt in Köln Hbf. verzögerte sich um gut 20 Minuten, weil unser ICE 3 aus Amsterdam CS es nicht zeitig schaffte, den Rhein in Köln zu überqueren. Nachdem wir alle acht schon etwas nervös den Zug bestiegen und unsere reservierten Plätze eingenommen hatten, ging es zunächst nicht gerade pfeilschnell Richtung Siebengebirge. Der Rhein wurde von unserem Zug bereits nach kurzer Zeit schon wieder überquert, und wir erreichten mit satter Verspätung die Neubaustrecke Köln - Rhein/Main.

Unser Zug schaffte es bis Frankfurt am Main zwar nicht mehr, etwas von seiner verlorenen Zeit wieder einzuholen, jedoch erreichten wir den Anschluss-ICE Saarbrücken - Dresden in Frankfurt Hbf locker, weil auch dieser nicht ganz seinem Fahrplan gefolgt war. Über Hanau, durch das Kinzigtal mit einem Halt in Fulda sowie über die nach der Wende im Abschnitt Bebra - Gerstungen wieder reaktivierte alte Frankfurt - Berliner-Bahn erreichten wir mit unserem Neitech-ICE die Wartburgstadt Eisenach. Erfurt, dessen Hauptbahnhof gerade für die „neue Bahn" total umgekrempelt wird, wurde ebenso mit nicht weniger Verspätung erreicht wie der Riesenbahnhof von Leipzig.
Inzwischen dämmerte es nicht nur dem Tag langsam, sondern auch uns, dass es sicher gut war, so früh in Köln los zu fahren, damit wir nicht am Ende in Dresden nur noch die Schlusslichter unseres Zuges Richtung tschechische Grenze sehen würden. Wir erreichten Dresden Hbf mit den vom freundlichen Zugpersonal ohne Aufforderung ausgestellten Verspätungsgutscheinen und konnten uns nach einem schnellen Geldwechsel noch für die weiteren Reisestrapazen stärken.
Im Ibis-Hotel „Königstein" an der Prager Straße erhielten wir ein leckeres und schnell serviertes Abendessen, sodass es kein Problem war, unseren EC „Carl Maria von Weber", der uns nach Prag bringen sollte, pünktlichst zu besteigen. Über die nach dem schlimmen Hochwasser des Sommers 2002 wieder befahrbare Elbtalstrecke ereichten wir Praha-Holesovice über Bad Schandau, Dêcín und Ústi. Es war eisig kalt in dieser Nacht und wir bereits etliche Stunden auf den Beinen. Dennoch war unsere Stimmung noch bestens. Die Müdigkeit begann jedoch sich in unseren Gliedern (und nicht nur da) breit zu machen. So waren wir gespannt auf unsere Schlafwagenabteile im Nachtzug „Excelsior" von Cheb nach Kosice, welchen wir auf einem Gutteil seiner Strecke benutzen würden. Der Schlafwagen der ZSR entsprach wohl ost- europäischem Standard, aber wir waren doch recht froh darüber, unsere müden Häupter zur Ruhe betten zu können.

Über Kolin, Olomouc, besser bekannt unter dem früheren Namen Olmütz, Prerov, Ostrava (Ostrau), Zilina, Ruzomberok (Rosenberg) erreichten wir gegen 10.20 Uhr genau nach Fahrplan Strba. Dort hieß es zunächst aus- und gleich darauf umsteigen in einen Zahnradbahnzug, der uns einige Meter die Tatraberge hinauf nach Strbske Pleso brachte. Man fühlte sich dabei, sowohl was den Zug betraf, als auch die Bahnhöfe und die Landschaft, durchaus an die Schweiz erinnert. Die Züge stammten von einem Schweizer Hersteller und die Bahnhöfe waren sehr gepflegt, der noch gut vorhandene Schnee ließ die Berge zusammen mit dem tollen Wetter richtig majestätisch aussehen.
Von Strbske Pleso aus ging es mit einem funkelnagelneuen Zug (übrigens auch aus Schweizer Fabrikation) der „Bahnen der Hohen Tatra" zu unserem Zielbahnhof Tatranska Polianka. Nach einem etwa 20minütigen Fußweg erreichten wir unser Hotel. Es liegt am Fuße der Hohen Tatra-Berge und trägt den Namen „Hubert".
Die Einnahme der Zimmer ging schnell vonstatten und danach gab´s zur Belohnung für die lange Fahrt Kaffee und Kuchen - immerhin waren wir nun gut einen Tag unterwegs. Von Müdigkeit war jedoch keine Rede, und so beschlossen wir sogleich noch eine Tour in die nähere Umgebung zu unternehmen.

Ein Zug der „Bahnen der Hohen Tatra" brachte uns nach Tatranská Lomnica am Fuße der Lomnitzer Spitze, einem Berg mit einer Höhe von 2634 m. Mit der Seilbahn wollten wir den Berg erklimmen, jedoch tat´s die Bahn nicht mehr, und das sicherlich bereits seit vielen Jahren, denn die Kabine lag vom Tragseil getrennt in der Seilbahnstation. Dennoch machte die Erkundung der Umgebung an diesem Nachmittag allen Spaß, sodass wir beschlossen, diesen Ausflug zu beenden und am nächsten Tag einen neuen Versuch zu unternehmen, auf das Dach der Hohen Tatra zu gelangen. Der erste Abend im Hotel wurde zwar nicht allzu lang, jedoch sehr gemütlich und verging in der sehr angenehmen Runde wie im Fluge. Bei Bier und leckerem „green day" (einem grell grünen Cocktail) passierten die Erlebnisse der ersten beiden Reisetage noch einmal die geistigen Augen und es wurde viel gelacht und philosophiert.

Der Erkundungsplan wurde am nächsten Morgen nach dem Frühstück sogleich in die Tat umgesetzt und wir erreichten diesmal den Gipfel der Lomnitzer Spitze mit einer kleinen aber feinen Seilbahn, welche uns bei schönstem Sonnenschein und klarer Sicht bis nach oben brachte. Es herrschte wenig Andrang auf dem Gipfelplateau, und so konnten wir die Aussicht wahrhaft genießen.
Der Abstieg ging genauso unkompliziert vonstatten wie die Bergfahrt, und für den zweiten Teil des Tages stand ein Ausflug nach Kezmarok (Käsmark) auf dem Programm. Mit einem alten Dieseltriebwagen der Slowakischen Staatsbahn, den wir in Studeny Potok bestiegen hatten, erreichten wir den wunderschönen Bahnhof von Kezmarok, der an die k.- u. k.-Zeit erinnerte. Die kleine Stadt strahlte mit ihren teilweise liebevoll restaurierten Gebäuden einen gewissen Charme aus. Ein besonderes Erlebnis war die Besichtigung der evangelischen Kirche, deren Baustil eher an eine Synagoge erinnerte. Ursprünglich sollte sie nach den Plänen des Architekten in Jerusalem errichtet werden.
Den Abschluss der Erkundungen bildete ein Besuch in einem gemütlichen Café. Gestärkt und mit vielen Eindrücken kehrten wir in unser Hotel zurück. Dort warteten zunächst Sauna und Schwimmbad und danach ein gepflegtes Abendessen auf uns. Der Abend klang wie schon der vorige mit einer netten Plauschrunde in der Bar des Hotels aus. Umsorgt wurden wir vom aufmerksamen Personal des Hotels.

Für den Samstag, den 30. März, hatten wir uns einen Ausflug nach Kosice vorgenommen. Kosice ist nach der Hauptstadt Bratislava die zweitgrößte Stadt des Landes und auch ein großer Bahnknotenpunkt. Es besitzt ein großes Stahlwerk, welches auch nach der Trennung der Slowakei von Tschechien einer der größten Arbeitgeber des Landes geblieben ist. Das Werk ist sogar durch eine Breitspur-Bahnlinie mit der Ukraine verbunden. Dies zeugt noch von der Zeit, als die UdSSR ein wichtiger Kunde für die Abnahme von Stahlprodukten aus der damaligen Tschechoslowakei war.
Wie so viele Industriebetriebe im früheren Ostblock muss auch dieses Werk sich heute auf dem harten Weltmarkt behaupten, ohne dass es größere staatliche Unterstützung erhalten könnte. Die Slowakei als der ärmere Teil der früheren Tschechoslowakei konnte sich solche Unterstützung noch nie leisten und so schwinden auch hier die Arbeitsplätze schneller, als neue geschaffen werden können. Immerhin gehört das Werk heute zu einem großen amerikanischen Stahlkonzern, sodass Hoffnung besteht.
Auf der Fahrt mit einem wahrhaftigen IC der Slowakischen Staatsbahn, sein Name ist „Tatran", konnten wir erleben, dass man durchaus auch in einem nicht so hoch technisierten Bahnbetrieb wie den ZSR (Abkürzung für die Slowakische Staatsbahn) einen pünktlichen und nicht unkomfortablen Betrieb abwickeln kann. Die wichtigsten Bahnverbindungen werden relativ regelmäßig befahren und die Anschlüsse haben, mindestens auf den von uns benutzten Relationen, immer gut funktioniert.

Kosice bot uns bei der Ankunft zunächst den Anblick vieler ehemaliger Ostblockstädte: Plattenbauten, sozialistische Architektur und nicht immer gepflegte Umgebung, besonders am Bahnhof. Jedoch werden in der Innenstadt immer mehr Zeugnisse eines neuen Verständnisses bei der Bewahrung erhaltenswerter, alter Stadtarchitektur sichtbar. Es wurde einiges restauriert, erhalten, gepflegt und erneuert. Ein besonderes Zeugnis alter Kirchenbaukunst ist der Elisabeth-Dom. Er stellt das östlichste gotische Kirchenbauwerk in Europa dar und ist nicht nur einen kurzen Besuch wert. Überhaupt stellt der Innenstadtbereich von Kosice mit seinen vielen Gassen, Durchhäusern, Innenhöfen und Gebäudeensemblen eine wahre Fundgrube für jeden an Architektur interessierten Besucher dar. Da es auch noch einen Straßenbahnbetrieb gibt, kann man die Entdeckungsreise also auch als Bahnfreund stilecht unternehmen. Übrigens ist Kosice die Partnerstadt von Wuppertal und somit bestehen schon seit vielen Jahren gute Beziehungen nach Deutschland.

Der kleinen Stadt Kirchdrauf galt am Sonntag unser Besuch. Natürlich erreichten wir auch dieses Ziel wieder mit der Bahn. Ein Triebwagen, dessen Bauart von uns ob seines Aussehens Puppenwagen genannt wurde, brachte uns über eine Nebenbahn von Spisské Vlachy an der Hauptbahn von Zilina nach Kosice nach Kirchdrauf. Der slowakische Name für diesen Ort lautet Spisské Podhradie.
Bekannt ist es wegen einer sehr gut erhaltenen Klosteranlage (Zipser Kapitel) und wegen seiner drei Burgen. Trotz ihrer geringen Größe verfügt die kleine Stadt über eine ganze Anzahl von Kirchen und wie bereits erwähnt über eine große Klosteranlage. Dieses Zipser Kapitel, ehemals Bischofssitz, beherbergt heute (wieder) ein Priesterseminar. Die Anlage liegt auf einer Anhöhe und ist sehr gut erhalten. Die gewaltige Umgrenzungsmauer umschließt eine ganze Anzahl von Gebäuden und eine sehr große, zweitürmige Kirche. Leider war diese nicht zu besichtigen. Auch die gewaltige Ruine der Zipser Burg, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehört, war wegen des starken Dunstes nur zu erahnen.
In der Stadt selbst scheint der größte Teil der Einwohner in eher ärmlichen Verhältnissen zu leben. Besonders die Behausungen der Zigeuner sind derart elend, dass man sich fragen muss, was kann man Menschen alles zumuten, damit man ihr Leben noch lebenswert nennen kann?
Viele Eindrücke wirkten auch hier auf uns. Dass man am Bahnhof die aus den Güterwagen gefallenen Kohlestücke aufsammeln muss, um seine Wohnung heizen zu können, das haben die Menschen in Deutschland sicherlich zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt. Aber dass es dieses im Europa des 21. Jahrhunderts noch gibt, glaubt man nicht, ohne es mit eigenen Augen gesehen zu haben.

Wie nach allen unseren Erkundungen ergaben auch hier die Eindrücke wieder viele Themen für Gespräche und Diskussionen. Der Abend im Hotel war auch an diesem Tage wieder gemütlich und harmonisch. Wie man überhaupt sagen muss, dass wir uns alle acht, Hans, Henning, Ekki, Manfred aus Düsseldorf, Manfred aus Köln, Heinz, Frank und meiner Einer während der ganzen Zeit sehr gut verstanden haben. Es waren zu keiner Zeit irgendwelche Spannungen zu spüren, was zeigt, dass man mit ein klein wenig Rücksicht aufeinander und etwas Gespür für die Eigenarten des anderen auch in einer größeren Gruppe gut harmonieren kann.

Am Montag stand die Rückfahrt an. Sie sollte zwei Tage dauern und wir waren alle gespannt, wie die von Ekki ausgearbeitete Reiseroute funktionierte. Morgens gings mit dem Linienbus nach Poprad, dem früheren Deutschendorf an der Poper. Dort wartete ein dreiteiliger “Puppenwagen” auf uns, der uns bis zum slowakisch-polnischen Grenzbahnhof Plavec brachte. Die Strecke führte durch tiefste slowakische Provinz. Ab Plavec hieß es umsteigen in einen Zug der polnischen Staatsbahn PKP. Die Elektrolok mit einem Reisezugwagen brachte uns und drei polnische Grenzer zum polnischen Grenzbahnhof Muszyna. Hier auf der polnischen Seite der Hohen Tatra herrschte Gelassenheit und Ruhe auf dem Bahnhof. Nicht weit von Muszyna liegt der bekannteste polnische Wintersportort, Zakopane, bekannt durch seine Skisprungwettbewerbe.
Ab Muszyna bestiegen wir einen Schnellzug der PKP, der uns weiter in Richtung Krakau brachte. Die Bezeichnung Schnellzug war in diesem Falle jedoch nicht allzu wörtlich zu nehmen, da sich die Fahrt über einige Stunden hinzog und die Geschwindigkeit des Zuges manchmal eher an die Fahrt über eine Bimmelbahn erinnerte.
Durch die Bergkette der Beskiden schaukelte uns unser Schnellzug mit dem Namen „Bieszczady" durch die Lande. Nach einigen Stunden erhielt unser Zug im Bahnhof von Stroze Zuwachs in Form von weiteren Wagen aus dem südöstlichsten Zipfel Polens. Zusammen sollte es dann für das gesamte Gebilde durch das tief verschneite Polen weitergehen nach Krakau.
Wir erreichten den Hauptbahnhof der Heimatstadt von Johannes Paul II. am Abend gegen 18.00 Uhr. Hier hatten wir leider keine Zeit für die so oft beschriebenen Schönheiten der Stadt, sondern gerade soviel, um uns für die bevorstehende Nacht zu stärken und mit Proviant zu versorgen.
Der Nachtexpress der Polnischen Staatsbahn in Richtung Swinoujscie (Swinemünde) bestand aus drei Wagen. Darunter war auch unser Schlafwagen. Er entstammte der gleichen Bauart, wie der Wagen der ZSR, in dem wir bereits unsere erste Nacht verbringen durften. Der Wagen der Polnischen Schlafwagengesellschaft „WARS" war jedoch eindeutig besser gepflegt als sein slowakischer Bruder und er war auch sauberer, was die Schlafkabinen betraf. Da es jedoch auch in diesem Nachtzug keinen Bistro- oder Speisewagen gab, blieb uns genug Zeit bis zum zu Bett gehen, um die Namen der Bahnhöfe auf uns wirken zu lassen, welche wir passierten: Kattowitz, Hindenburg, Gleiwitz, Oppeln, Breslau, Posen, Kreuz und Stargard/Pommern erlebten durch das verbrecherische Tun einer Horde brauner Unmenschen Schlimmes und finden heute in einer Zeit des Umbruches langsam wieder zu ihren alten Wurzeln, ohne die Gegenwart zu vergessen.

Da wir Polen fast komplett bei Nacht durchfuhren, konnte man leider von der Landschaft nichts wahrnehmen. Erst gegen Morgen, als wir uns Swinemünde näherten, konnte man erkennen, welche Unterschiede schon die Länder des früheren Ostblocks im Hinblick auf ihre wirtschaftliche Entwicklung aufweisen; wie groß sind diese erst bei einem Vergleich mit dem Rest von Europa. Jedoch haben sich die Menschen ihr Leben eingerichtet und gerade in Polen kann man durchaus am Zustand der Dörfer und Städte, welche wir auf unserer Fahrt bei Tageslicht passierten, erkennen, dass dort ein gewisser Aufschwung stattgefunden hat und dass man die Lethargie überwunden hat, die zu Zeiten des Sozialismus allerorten geherrscht hat.
Problematisch erscheint jedoch der Zustand des Streckennetzes der Polnischen Staatsbahn. Auf unserer Fahrt Richtung Ostsee fragte man sich manchmal, ob die Schienen und deren Unterbau, über die der Zug gerade fuhr, noch aus der Zeit der Preußischen Staatsbahn stammen. Dies kann man von der Signaltechnik auf vielen Bahnhöfen ganz bestimmt behaupten; viel alte Formsignaltechnik lässt die Herzen eines jeden Eisenbahnfuzzis (so nennt man die grün beparkerten, manchmal etwas müffelnden Fotografen mit dem stieren Tunnelblick, der nur Loknummern und Schwellen sieht) höher schlagen. Viel alte Bahnhofsarchitektur ist erhalten geblieben und erinnert an vergangene Eisenbahnzeiten.

Nach der Ankunft in Swinemünde mussten wir vom Land auf´s Wasser. Eine Fähre brachte uns zum inselseitigen Stadtufer, auf dem polnischen Teil der Insel Usedom. Hier trennt das Stettiner Haff die polnische Insel Wollin von der Insel Usedom. Im Hafen von Swinemünde trieben noch sehr viele Eisschollen, sodass der Fährverkehr etwas außerhalb des Hafens abgewickelt werden musste, um die Schiffe nicht zu gefährden.
Unser Butterschiff schipperte durch die Pommersche Bucht in Richtung Seebad Ahlbeck. Mitreisende waren Polen, die die Fahrt nur zum Einkauf zollfreier Ware auf dem Schiff nutzten, und die in Ahlbeck den Dampfer gar nicht verließen, sondern sofort wieder nach Polen zurück fuhren. Wir jedoch bekamen wieder Land unter die Füße und betraten über die Seebrücke von Ahlbeck wieder Deutschen Boden.
Bekannt ist diese Seebrücke durch ihren wunderschönen, alten Aufbau, der ein Restaurant und Cafe beherbergt. Die Brücke spielte eine Rolle im zweiten Kinofilm von Loriot, „Papa ante Portas".
Der mit Eis bedeckte Strand von Ahlbeck wirkte zusammen mit dem strahlend blauen Himmel wie eine Einladung zu einer Strandwanderung. Unsere Zeit ließ jedoch eine solche Wanderung leider nicht zu. Durch den ruhig da liegenden Ferienort erreichten wir den Bahnhof. Er liegt fast am Ende der Strecke von Zinnowitz nach Ahlbeck, welche von der Usedomer Bäderbahn betrieben wird und kurz danach in Ahlbeck Grenze (noch) endet. Sie soll in Kürze weitergeführt werden nach Swinemünde und so die alte, vor dem 2. Weltkrieg bestehende Verbindung wieder herstellen.

Wir bestiegen einen der schmucken, neuen Triebwagen der Usedomer Bäderbahn, der uns fast über die gesamte Insel brachte. Über Wolgast und seine neue Peenebrücke erreichten wir den Bahnhof von Züssow an der Hauptstrecke von Stralsund nach Pasewalk. Hier erwartete uns dann wieder der Alltag der Deutschen Bahn AG. Der aus modernisierten ehemaligen DDR-Reichsbahn-Doppelstockwagen bestehende Regionalexpress von Stralsund nach Belzig war recht gut besetzt und, oh Wunder, sogar pünktlich. Berlin wurde am späten Nachmittag erreicht. Wir verließen den Zug am Ostbahnhof.
Nach einer kleinen Stärkung in Form von Eis und / oder Kaffee, wartete unser ICE in Richtung Hannover - Wuppertal und Köln auf uns. Die reservierten Plätze waren schnell eingenommen und schon ging es über die Stadtbahn, vorbei am immer noch nicht vollendeten „neuen" Berliner Hauptbahnhof (es gab übrigens nie einen Hauptbahnhof in Berlin) und den neuen Regierungsbauten über den Bahnhof Zoologischer Garten und Berlin-Spandau auf die Neubaustrecke in Richtung Wolfsburg. Durch die hereinbrechende Nacht lag die durchfahrene Landschaft im Dunkeln. Der ICE erreichte pünktlich seine geplanten Haltebahnhöfe und wir Alle wieder unsere Heimat.

Eine wirklich erlebnisreiche, sehr gut organisierte Fahrt war zu Ende. Jeder der Teilnehmer war zufrieden, dabei gewesen zu sein.
Ein Dank gebührt hier nochmals dem Organisator der Fahrt, Ekki. Aber auch Hans hat vor Ort durch seine Tourenvorschläge und sein fundiertes Wissen über Land und Leute sehr zum Erfolg der Reise beigetragen. Danke, Euch beiden im Besonderen, aber auch Danke an alle anderen: Es war sehr schön mit Euch. Ich freue mich schon auf die nächste Reise!

Harald

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