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September 2004:
Besuch bei der Zuid Limburgse Stoomtrein Maatschappij
in Simpelveld (NL)

In den Niederlanden sagt man: 'driemaal is scheepsrecht' oder im deutschsprachigem Raum: 'Aller guten Dinge sind drei'.
Warum dieser Satz? Ursprünglich war die Fahrt schon im Juli vorgesehen, dann im August und es wurde schließlich September, um genau zu sein: Sonntag, der 5. September 2004. Grund der Verschiebung war unser Wunsch, daß Carsten den Bus fährt, aber sein Dienstplan ließ dies im Juli und August leider nicht zu.
Für die Vorbereitung bedeutete das quasi nur Änderung des Datums und noch ein paar Kleinigkeiten.
Hans erklärte sich bereit, die Organisation von Köln nach Simpelveld und zurück in die Hand zu nehmen, weil ich selbst an diesem Tag meinen Dienst bis 13:00 Uhr als Schienenbusfahrer machen musste.

Hans berichtet: Im Vorfeld der Fahrt wälzten Nico und ich die Fahrpläne, um eine vernünftige Anreise Richtung Simpelveld zusammenzustricken. Regionalexpress bis Aachen, Euregiobahn bis Landgraaf, dann mit dem NS-Stoptrein nach Kerkrade Centrum - das war unsere Vorstellung. Aber Pustekuchen - so eine verrückte Reiseroute ist im Kursbuch einfach nicht vorgesehen. Direkte Anschlüsse gibt es nicht, und über 50 Minuten Wartezeit in Aachen am heiligen Sonntagmorgen wollten wir den Flügelrädern nicht zumuten. Daher wurde beschlossen, mit Hilfe von Carsten einen KVB-Bus zu chartern und so aus drei Stunden Reisezeit 1 Stunde 15 min. zu machen!
Sonntagmorgen, 5. September: Um 9 Uhr will Carsten aus dem KVB-Betriebshof Nord ausrücken. Da heißt es für Henning und mich früh aufstehen, denn in bewährter Flügelrad-Manier soll der Bus ja auch bewirtschaftet werden. Also ein kurzes Frühstück, und während ich zum Bäcker marschiere, um 30 Brötchen zu holen, tritt die Kaffeemaschine in Aktion. Carsten setzt Bjorn auf dem Weg zum Betriebshof bei uns ab, und dann werden zu dritt wie am Fließband Brötchen geschmiert und belegt. Schließlich sind auch die drei Warmhaltekannen mit Kaffee gefüllt, Würfelzucker, Milch und Kaffeebecher eingepackt - jetzt aber hurtig zum Betriebshof. Carsten hat den Bus schon aufgerüstet, ab geht's zum Bahnhof, um die Flügelräder einzusammeln. Hier eine Schrecksekunde: unser Koblenzer Schängelchen fehlt, er sitzt noch im verspäteten IC. Die Handys laufen heiß, und so klappt es doch noch. Mit nur fünf Minuten Verspätung startet unser Bus Richtung Niederlande.

Und jetzt hat Nico wieder das Wort:
Es fing natürlich mit dem Datum an - wie oben schon erwähnt, wurde dieses mehrmals verschoben. Erste Überlegung war Samstag oder Sonntag. Bei der Befragung stellte sich heraus, daß nicht eindeutig war, welcher Tag am besten wäre. Da mußten also andere Kriterien ran. Im Juli/August fährt die ZLSM (Zuid-Limburgsche Stoomtrein Maatschappij) (auf deutsch: Süd-Limburgische Dampfbahn-Gesellschaft) vier Wochenenden auch am Samstag. Da inzwischen die Fahrt auf September verschoben war, wurde die Möglichkeit der Samstagfahrt schon gestrichen.
Ich wollte natürlich gerne  die gesamte Strecke befahren. Das bedeutete, daß wir dann an einem Sonntag fahren mußten, denn im offiziellen Fahrplan der NS (Nederlandse Spoorwegen) fahren wir nur am Sonntag nach Heerlen und zwar mit Dampf in der Zeit von April bis Ende Oktober. Also wurde es der 5. September. Folgender Plan wurde erstellt:

    Mit dem Schienenbus: Simpelveld-Schin op Geul-Simpelveld
    Mit dem Schienenbus: Simpelveld-Vetschau (D)-Simpelveld
    Mit Dampf: Simpelveld-Kerkrade-Heerlen-Kerkrade-Simpelveld.


Die Garnitur, mit der wir fuhren, bestand aus einem Motorwagen VT (1956), einem Beiwagen VB (1962) und einem Steuerwagen VS (1959), alle 798-er. Da ich Dienst hatte, fuhr ich selbst den Schienenbus auf beiden obengenannten Strecken.
Das Besondere an unserer Bahn ist, daß die Strecke schon 1853 in Dienst gestellt wurde und zwar von der Aachen-Maastrichter Eisenbahngesellschaft. In der damaligen Zeit waren Aachen und Maastricht wichtige Industriestädte. Die Strecke war die erste internationale Schienenverbindung zwischen den Niederlanden und dem Ausland. Wegen Ausbau der Kohlen-Industrie brauchte man eine Schienenverbindung von  Herzogenrath über Heerlen nach Sittard (weiter nach dem Westen und Norden des Landes). Da das schwarze Gold auch exportiert wurde und u.a. in Heerlen, Kerkrade und Spekholzerheide große Steinkohlezechen waren, benötigte man bald auch die Schienenverbindung zwischen Schaesberg (jetzt Landgraaf, Kerkrade und Simpelveld. Da hier Bahndämme und Brücken gebaut werden mußten, waren die Kosten für die damalige Zeit sehr hoch, und zwar mehr als eine Million Gulden pro Kilometer. Damit war auch der Spitzname der Strecke geboren: de miljoenenlijn (die Millionen-Linie). Der Volksmund bezeichnet heute als Millionen-Linie die Strecke von Landgraaf über Kerkrade - Simpelveld bis Schin op Geul.

Endlich war es dann so weit. Der große Tag war da. Erst wurde überlegt, wo der Bus parken kann. Es gibt ja keinen Busparkplatz in der Nähe des Bahnhofs. Dienstanfang ist früh und zwar um 07.15 Uhr. Da war die Straße vor dem Bahnhof noch frei. Ich habe dann mein Auto hingestellt und ein rot-weißes Band gespannt. Somit war ein Parkplatz für den Bus mit den Flügelrädern aus Köln  freigehalten.
Da auch der Axel aus Berlin bei mir zu Besuch ist, hat er die Gelegenheit, mal zu erleben, wie es ist, wenn ein Schienenbus gestartet werden muß. Man kann nicht einfach den Schlüssel umdrehen und wegfahren, sondern ein Schienenbus muß vorgewärmt werden, und wenn die Wassertemperatur auf 40 Grad gekommen ist, darf man die Motoren erst starten. In der Aufwärmphase sitzt man nicht still, denn es müssen mehrere Kontrollen durchgeführt werden. Also Öl, Kühlwasser, Brennstoff (Diesel), Bremsleitungen, Kupplungen, Luft, Licht usw. Wenn die Motoren gestartet werden können, braucht es noch einige Zeit. Denn die Betriebstemperatur der Motoren ist etwa 80 Grad. Wenn es so weit ist, muß erst noch eine Bremsprobe gemacht werden, damit die Sicherheit gewährleistet ist. Inzwischen ist schon gut eine Stunde vorbei. Weil nicht genügend Brennstoff im Tank ist, fahren Axel und ich zur Zapfsäule an der Werkstatt. Nach dem Tanken melde ich mich beim Fahrdienstleiter und bekomme die Genehmigung über Gleis 3 nach Gleis 1 zu fahren. Da stehe ich dann bereit, um fahrplanmäßig um 09.00 Uhr Richung Schin op Geul zu starten.
Dieses Teilstück der Strecke ist meines Erachtens der schönste Teil von unserem ganzen Bahnnetz, das übrigens etwa 21 km lang ist. Nachdem ich zurück bin in Simpelveld, sieht der Fahrplan die Strecke nach Kerkrade und zurück vor, und um 10:57 Uhr komme ich wieder in Simpelveld an.

Da die Abfahrtzeit in Köln um 09.30 Uhr vorgesehen ist, müßten die Flügelrader jetzt unterwegs sein. Ich rufe an und bekomme die Bestätigung, daß sie pünktlich abgefahren sind. Das heißt, daß sie gegen 10.50 Uhr ankommen werden in Simpelveld. Als ich aus Kerkrade zurückkomme, bin ich erleichert, denn ich sehe, daß meine Gäste da sind. Wir begrüßen uns ganz herzlich und ich werde schon direkt überschüttet mit Komplimenten, weil die ersten Eindrücke in Simpelveld sehr gut sind. Das Wetter an diesem Tag spielt auch mit, denn die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Insgesamt sind wir 35 Leute vom Flügelrad, die die heutige Fahrt miterleben.
Da wir im Fahrplan fahren, müssen wir uns natürlich an die Zeit halten. Das heißt: Abfahrt um 11:15 Uhr Richtung Schin op Geul (sprich: sgin op göl). Zurück in Simpelveld sind wir um 12:17 Uhr. Es bleiben nur 3 Minuten, denn wir fahren direkt weiter nach dem 5 km entfernten Vetschau (D) - ja, Deutschland. Die ZLSM ist der erste Verein in den Niederlanden ,der eine grenzüberschreitende Strecke hat. In Deutschland fahren wir nur fast einen Kilometer, aber immerhin. Um dieses zu erreichen, mußten verschiede Verträge zwischen den Niederlanden und Deutschland unterschrieben werden. Man merkt sofort. daß man in Deutschland ist, denn die Schienen in Deutschland sind etwa 5 mm schmaler als die niederländischen. Wenn man genau hinsieht, erkennt man das an der Außenseite der Schienen. Die Innenseite ist ja Normalspur!

Nachdem wir um 12:57 Uhr zurück waren in Simpelveld, gab es erst mal Kaffee und Kuchen. Danach besuchten wir die Leitstelle, den Posten T. Hier erklärte ich, daß wir noch mit dem traditionellen Signalsystem arbeiten und daß die Leitstelle darin eine führende Rolle hat. Dann besuchten wir Posten I; hier werden die Signale und Weichen Richtung Kerkrade und Vetschau gestellt. Unsere Kollegen hatten natürlich Spaß daran die Wirkung zu erklären. Vom Posten I kann man schon die Werkstatt und eine Abstellhalle sehen, die wir dann auch besuchten. In der Werkstatt erklärte ich, daß wir etwa 260 ehrenamtliche Mitarbeiter(Innen) haben. Ebenfalls daß wir einiges an Apparaten gestiftet bekommen haben von Firmen aus der näheren und fernen Umgebung. Hiermit sind wir in der Lage, selbst Ersatzteile für die Dampflokomotiven herzustellen.
Wir haben 4 Dampfloks der SJ (Schwedische Eisenbahn): 2 vom Typ B (schwere Personen- und Expresszüge) und 2 vom Typ E (leichte Personen- und Güterzüge). In der Werkstatt steht die B1289 und wartet auf ihren nächsten Einsatz. In der Abstellhalle steht die E1090. Sie ist seit 1998 außer Dienst, wegen einer anstehenden Kessel- und Maschinenrevision. Ebenfalls ist  hier die Grüne Zuggarnitur abgestellt: 2x K1A, 3x K3B und 1x K1AD.

Im Einsatz ist am heutigen Tag die 1040 vom Typ E2 (Umbau vom Typ E für eine höhere Geschwindigkeit von 70 km/h). Am Haken hat sie die Fahrzeuge im Hausstil, und zwar 5 Wagen vom Typ K1A und einen vom Typ K1BD.
Wir fahren mit diesem Zug um 14:29 Uhr nach Heerlen. Seit diesem Jahr hat unser Verein es als erster geschafft, im normalen Fahrplan Züge fahren zu lassen auf dem öffentlichen Netz der NS. Die Fahrt nach Heerlen ist nicht so schwierig für den Lokführer, weil es bergab geht. Nachdem in Heerlen die Lok umgelaufen und die Bremsprobe gemacht ist, geht es um 15:20 Uhr wieder. Die Strecke von Heerlen nach Landgraaf galt als die steilste Strecke des niederländischen Netzes. Und das merkt man auch. Die Lok muß richtig arbeiten. Aber das ist Musik in unseren Ohren, denn bei dem schönen Wetter sind die Fenster auf und man kann das auch gut hören. Wir erreichen ohne Probleme wieder Simpelveld. Da hat jeder dann noch eine Stunde zur freien Verfügung.
Um 17:00 Uhr ist es Zeit zum Abschied nehmen. Ich höre viele Dankeschöns und gute Wünsche. Ich danke Carsten für seinen Einsatz als Busfahrer und Hans und Michael für ihr Mitwirken. Axel und ich verabschieden uns und wir sind uns einig, daß dies ein sehr gelungener Tag geworden ist, wobei alles (fahr)planmäßig geklappt hat.

Die Rückreise erzäht Hans: Da gibt es nicht eigentlich nicht mehr viel zu berichten. Guter Stimmung treten wir die Rückfahrt über die Autobahn nach Köln an und lassen in Gedanken den erlebnisreichen Tag noch einmal vorüberziehen. Gegen halb sieben sind wir wieder am Kölner Hauptbahnhof, wo sich die Mitreisenden in alle Winde zerstreuen. Carsten, Bjorn, Henning und ich fahren zum Betriebshof, räumen den Bus leer - dann haben auch wir Feierabend nach einem rundum gelungenen Tag.

Nico und Hans

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