Wochenende an der Mosel - 21.-22. August 2004

Am Samstag, morgens um 7, war die Welt noch ganz in Ordnung. Der wolkenverhangene Himmel ließ einige Sonnenstrahlen durch, und es sah so aus, als wenn es noch ein schöner Spätsommertag werden
würde. Nach den vorangegangenen sonnigen und warmen Tagen war es ausgerechnet schon die ganze letzte Woche kühler und schon etwas herbstlich geworden. Jeder hatte natürlich insgeheim gehofft, an der Mosel  noch warme Sonnenstrahlen genießen zu können.

Von Köln fuhren wir um 8:35 h mit dem RE 5 nach Koblenz. Der gut gefüllte Zug kam auch ohne nennenswerte Verspätung in Koblenz an - für einen proppevollen Zug am Samstag schon eine beachtliche Leistung. Unser Schängelchen, der die Reise organisiert hat, sorgte gleich nach Ankunft für eine kleine Überraschung. Entgegen allen Erwartungen gingen wir nicht zum Umsteigezug nach Cochem, sondern aus dem Bahnhofsgebäude hinaus! Dort wurden wir schon erwartet, das Gepäck uns abgenommen und zum Hotel nach Winningen gebracht. Toll!! Damit hatten sicherlich die wenigsten gerechnet und so waren wir jetzt frei von allem Ballast und konnten die Reise fortsetzen.

Unser Anschlusszug fuhr nach Saarbrücken. Mit einigem Unbehagen sahen wir, wie immer mehr Fußballfans die Waggons füllten. Schon im Kölner Hbf fielen uns die grölenden Horden auf, wir schenkten diesen aber wenig Beachtung. Wo die Fans mit ihren Bierkästen zwischen Kinderwagen und den übrigen Reisenden noch hin wollten, war uns langsam rätselhaft. Jedenfalls wurde der Zug immer voller und voller und konnte deshalb nicht mehr abfahren. Da konnte auch der Bundesgrenzschutz nicht mehr viel ausrichten, der versuchte etwas Ordnung in das Chaos reinzubringen. Nach vielem hin und her war es dann endlich soweit. Mit über einer halben Stunde Verspätung konnte der Zug endlich abfahren. Die teils knackigen Kerle vom Bundesgrenzschutz fuhren als „Zugbegleiter“ mit.

Unser armer Eckart kam jetzt ganz schön ins Schwitzen. Hatte er doch Sorge, dass wir das Schiff in Cochem nicht mehr rechtzeitig erreichen würden. Unterwegs kam es an den Bahnhöfen immer wieder zu längeren Aufenthalten, woran die Fußballfans nicht ganz unschuldig waren. Nun denn, irgendwann kamen wir dann doch endlich in Cochem an. Die Verspätung war enorm, aber bis zum Schiff war es doch noch zu schaffen. Zu allem Unglück fing es jetzt gerade kräftig an zu regnen. Glücklich konnten die Pessimisten sein, die einen Regenschirm oder -Jacke bei sich hatten. Ein Unglück bleibt ja bekanntlich selten allein. Einige wollten sich eine Taxe bis zur Anlegerstelle nehmen, die ca.  500 Meter oder noch mehr vom Bahnhof entfernt ist. Dem Fahrer war die Fahrt wohl nicht rentabel genug und er lehnte eine Beförderung ab!

Irgendwie erreichten dann aber doch alle glücklich das Schiff nach Beilstein. Es war gut besetzt, und wegen des kühlen Wetters machten wir es uns im Unterdeck gemütlich. Aus den  ersehnten Sonnenstrahlen auf dem Oberdeck wurde leider nichts. Bei einem guten Moselsekt und Kaffee und Kuchen kam dann doch recht schnell die gewohnte gute Flügelrad-Laune auf. Die tief hängenden Wolken konnten der schönen Landschaft nichts anhaben. Beilstein ist ein Juwel unter den Moselorten. Malerisch liegt es mit seinen schönen alten Häusern zwischen Berghang und Moselufer und wird von der großen barocken Kirche und der Burgruine eingerahmt. Im Örtchen angekommen (der Regen hatte aufgehört), teilten sich unsere Männer rasch in mehrere kleine Grüppchen auf. Die einen gingen zur Burgruine, andere wiederum stärkten sich gleich noch mal bei einem guten Moseltröpfchen oder schauten sich auf dem Marktplatz um. Irgendwann später hat man sich dann doch in einem der zahlreichen gemütlichen Weinlokale wieder getroffen.

Zurück ging es auch wieder lustig zu. Eine niederländische Juxband (so nannte sie sich wirklich) sorgte für Stimmung auf dem Schiff, und spätestens bei dem Lied „Ruut, ruut sin die Ruse“ gab es kein Halten mehr. Es wurde kräftig geschunkelt und mit gesungen. Als wir in Cochem ankamen, fing es auch prompt wieder kräftig an zu regnen. Jeder von uns musste also nochmals schnellen Schrittes Richtung Bahnhof eilen, um nicht all zu nass zu werden. Dort hatten wir noch etwas Zeit, und so blieb nur noch die Bahnhofskneipe als Zeitvertreib bis zur Ankunft des Zuges Richtung Winningen.

Am frühen Abend kamen wir dort an, bezogen unsere Hotelzimmer und konnten uns jetzt  bis zum nächsten Programmpunkt noch etwas ausruhen. Der Höhepunkt des Abends war die Weinprobe im Weingut Richter. In einem schönen Anwesen inmitten des Ortes wurde uns in der „guten Stube“ ein kräftiges Abendbrot serviert mit einer Auswahl erlesener Tropfen von hauseigenen Weinbergen. Vom roten Trockenen bis hin zum edelsüßen Eiswein war hier für jeden Geschmack etwas dabei. Als die Weinprobe zu Ende war, fand der Abend seinen feucht-fröhlichen Ausklang in einem gemütlichen Weinlokal im Ortszentrum von Winnigen.

Der nächste Tag begann genau so, wie der vorige aufgehört hatte: ziemlich grau. Doch als wir uns vor dem Hotel sammelten, um zu neuen Aktivitäten aufzubrechen, riss der Himmel langsam auf. Am Moselufer wartete der gecharterte Reisebus, um uns nach Koblenz-Lützel zum Eisenbahn-Museum zu bringen. Wenn man mit dem Zug daran vorbeifährt, sieht man vor den Museums-Wagenhallen einen vor sich hin rostenden dreiteiligen ET 30 aus den fünfziger Jahren. Schade eigentlich, dass diese doch so formschöne Triebwagengarnitur nicht wieder aufgemöbelt wird. Die Führung durch das Eisenbahn-Museum wurde von einem Bekannten Eckarts übernommen, der gleichzeitig dort ehrenamtlich bei der Aufarbeitung und Restaurierung des Wagen- und Lokmaterials tätig ist. Wir waren doch überrascht, was es hier alles zu sehen gab: Alte Signaltechnik, historische Fotografien aus den Vor- und Nachkriegszeiten und natürlich jede Menge alter Loks und Wagen. Beeindruckend waren die E-Loks aus den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Auch gut erhaltene Salonwagen
aus den Regierungszeiten Konrad Adenauers und Willy Brandts waren zu besichtigen, die seinerzeit auch von Queen Elizabeth II und anderen Staatsoberhäuptern benutzt wurden. Das Wetter wurde immer schöner, und dank der wärmenden Sonnenstrahlen konnten wir sogar unser Mittagessen (ein alter Eisenbahnwaggon diente als Imbisswagen) nach draußen nehmen und uns unter freiem Himmel stärken.

Anschließend brachte uns der Bus zur Festung Ehrenbreitstein am Rhein hoch über Koblenz. Dort war eine Ausstellung neuer und alter Sportflugzeuge im Innenhof zu besichtigen. Über uns sahen wir  Segel- und Sport-Flugzeuge über unsere Köpfe fliegen, die vom nahe gelegenen Flugplatz starteten. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Altstadt, Rhein, Moselmündung und Deutsches Eck. Aber noch ein weiterer Höhepunkt wartete auf uns. Eckart hatte sich ganz was Besonderes einfallen lassen um dieses schöne Wochenende mit einem weiteren „Bonbon“ ausklingen zu lassen. Die Führung durch die Festung Ehrenbreitstein lief nicht so ab, wie man es üblicherweise von Schloss- und Burgbesichtigungen kennt. Wir wurden in einen Burginnenhof geführt. Dort sahen wir oberhalb eines Gebäudes einen kräftigen Kerl aus „vergangenen Zeiten“, der Geschichten über sich und sein Leben erzählte. Es war die Führung durch die Jahrhunderte vom Mittelalter bis zu den Gräueltaten des Dritten Reiches auf Ehrenbreitstein. „Der ewige Soldat“ brachte uns in einer schauspielerischen Glanzleistung das harte Leben des einfachen Mannes nahe. Er erzählte von der Gründung der Burg, von den Schlachten und Kriegen, die sich durch die Jahrhunderte zogen, und von den Entbehrungen, die er und seine Kameraden im Soldatenleben ertragen mussten.

Noch immer beeindruckt von diesem sehr außergewöhnlichen, 1 ½ Stunden dauernden Ein-Personen-Stück genossen wir nun nochmals die  Nachmittagssonne auf der Aussichtsterrasse der Festung bei Kaffee und Kuchen. Dann hieß es nun doch langsam Abschied von diesem erlebnisreichen Wochenende zu nehmen. Gemeinsam marschierten wir den Fußweg hinab zum Rhein, fuhren mit der Fähre auf die linke Seite des Ufers und gingen von dort Richtung Bahnhof. Hier wartete der RE nach Köln auf uns.

Eine dieser wunderschönen Flügelrad-Touren war nun leider wieder mal zu Ende. Sind wir doch mal gespannt, was wir in naher Zukunft bei unseren gemeinsamen Unternehmungen noch alles entdecken werden.

   Klaus J.

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