"Wo  ist denn meine Michi?" 
Impressionen aus Griechenland 2003

"Die Liebe ist ein seltsames Spiel" - so hieß es schon in einem alten Schlager aus den 60er Jahren. Und Ekki, der Organisator unserer Flügelrad-Reisen, war frisch verliebt. Michael, der Prinz seiner Träume, allen nur als "meine Michi" oder "mein Goldchen" bekannt, fuhr auch mit. Ob Ekki da noch Augen für Hellas oder Konzentration  für die Reiseplanung haben würde .....

Samstag, den 17.5.2003, gegen 7 Uhr. Acht müde Flügelrädler klettern in Köln Hbf in die Panorama-Lounge des 403 521, um über die Neubaustrecke in gut einer Stunde nach Frankfurt Flughafen zu rasen. Drei weitere werden im Laufe der Reise noch dazukommen. Eine Stunde zuvor war in Köln der Eurocity "Franz Liszt" über die Rheinstrecke gestartet. Doch eine Stunde länger schlafen hatte über den Blick auf die Loreley gesiegt, so dass wir erst in Frankfurt Flughafen den Eurocity  enterten. Ein gediegener Zug: österreichische Sitzwagen mit echten Abteilen, ein "Taurus" an der Spitze und am Ende des Zuges (die  Steuerwagen der DB AG sind ja nicht kompatibel) und ein echtes Zugrestaurant.  Das wurde auch ausgiebig genutzt: erst ein gutes Mittagessen, dann noch am Nachmittag Sachertorte und Apfelstrudel mit "Schlagoberst". Als Wechselgeld gab es österreichische Euros mit Bertha von Suttner und Mozart, die wie kleine Weltwunder bestaunt wurden. Ein Unterschied wie Tag und Nacht zum "Servicekonzept" eines Herrn Mehdorn.
Nach der Ankunft in Budapest-Kelenföld gegen 18 Uhr ging es mit der  Straßenbahn weiter zum Hotel. Mit einem abendlichen Rundgang über  den Burgberg und die Fischerbastei und einem Abendessen mit (etwas lauter)  Zigeunermusik klang der erste Reisetag aus.
Der Sonntag gehörte Budapest. Auf dem Programm standen eine Fahrt mit der Zahnradbahn in die Budaer Berge, dann mit der Kindereisenbahn (früher  Pioniereisenbahn) und zuletzt mit dem Sessellift wieder ins Donautal. Das traumhafte Wetter sorgte dafür, dass sich auch einige ungarische "Engelsgesichter" ihres T-Shirts entledigten, so dass es auch außer Eisenbahn was fürs Auge gab. Nachmittags fuhren wir mit der Straßenbahn über den großen Ring und den Donaukorso entlang, um dann am Vörösmarty Ter im hundertjährigen Café Gerbeaud Kuchenspezialitäten zu genießen.

Am Abend begann dann der längste Teil der Reise: Vom Budapester Ostbahnhof mit einem "Euronight" zunächst nach Bukarest. Die ungarische Puszta zeigte sich beim Sonnenuntergang im schönsten Licht, und am Morgen blickten wir auf die rumänischen Karpaten.
In Bukarest waren vier Stunden Aufenthalt eingeplant. Bei der Stadtrundfahrt sahen wir neben schönen orthodoxen Kirchen und alten Bauten auch die Relikte der Prunksucht des rumänischen Diktators Ceausescu. Mittagessen gab es in einem kleinen Gartenrestaurant mit äusserst schnuckeligen Kellnern.

Der nächste Euronight von Bukarest nach Istanbul hatte dann eher osteuropäisches Niveau. Über die Toiletten und Waschgelegenheiten wollen wir hier schweigen. Auch die mitreisenden Gestalten waren teils furchteinflößend. Dafür war die Landschaft umso imposanter. Höhepunkt war die Überquerung des Donaudeltas: In Giurgiu Nord am rumänischen Ufer setzte sich eine Ludmilla vor den Zug und zog ihn über die wenig vertrauenerweckenden Stahlkonstruktionen der Vorfluterbrücken und der Flussbrücken weit über drei Kilometer im Schritttempo. In Ruse übernahm dann die bulgarische Ellok. Nun ging es quer durchs bulgarische Mittelgebirge. Langsam zog sich ein jeder in sein "komfortables" Schlafgemach zurück, um süß zu schlummern - und gegen 2.00 Uhr unsanft geweckt zu werden. An der bulgarisch-türkischen Grenze musste jeder den Zug verlassen, um sich im Büro seine Stempel zu holen. Und kaum hatte man sich wieder hingelegt, erschien noch ein Godzilla-Verschnitt im Zug und lupfte die Decken, um zu kontrollieren, ob auch ja jeder seinen Stempel im Pass hat und niemanden unter der Bettdecke versteckt. Gegen 4.00 Uhr  setzte sich unser Euronight dann wieder in Bewegung. Doch in der Türkei gibt es keine geschweißten Schienen. Die einen wiegte das rhythmische Klack-Klack sanft in den Schlaf, während die anderen kein Auge zumachten. So trafen wir am Dienstagmorgen gegen 10 Uhr einigermaßen "gerädert" am europäischen Bahnhof in Istanbul ein.

Byzanz - Konstantinopel - Istanbul - 2500 Jahre europäischer und asiatischer Geschichte lagen vor uns. Hagia Sophia, blaue Moschee, der große Bazar, eine Rundfahrt über Bosporus und Marmara-Meer, der Besuch des asiatischen Bahnhofes, von wo einst die Bagdadbahn startete, und die Galata- Brücke gehörten zu den Höhepunkten der Stadtrundfahrt. Auch ein Besuch im Hamam, dem traditionellen türkischen Bad, war eingeplant, allerdings etwas enttäuschend, da das Bad nur noch auf Touristen ausgerichtet  war und die Masseure und Bademeister eher "Bakschisch-Geier" waren. Das Abendessen nahmen wir stilgerecht im Restaurant des europäischen Bahnhofs ein.
Stilbruch am Donnerstag - mit dem Flugzeug geht es von Istanbul nach Athen. Die griechische Hauptstadt ist laut und hektisch und staubig - der Bauboom für Olympia 2004 ist unübersehbar. Viele Attraktionen gibt es  nicht - für die meisten Touristen ist Athen nur Durchreisestation. Aber auch dort hatte Ekki ein Programm zusammengestellt: Akropolis, Altstadt, Agora, Stoa und eine Fahrt mit der Zahnradbahn auf den höchsten Berg der Stadt mit phantastischer Aussicht.

Am Freitagnachmittag holten wir unsere Mietwagen und fuhren nach Tolo auf dem Peleponnes, wo Ekki zwei Ferienhäuser gemietet hatte. Leider begrüßte uns der Süden Griechenlands in den ersten beiden Tagen mit Regen, dann kam aber doch der versprochene Sonnenschein.
Zwölf Tage Baden und Relaxen auf dem Peleponnes vergingen wie im Flug. Knackige, gut gebaute Griechen am Strand boten was fürs Auge, in Katharinas Taverne war fürs leibliche Wohl gesorgt, und eine vorgelagerte Badeinsel, die nur per Boot erreichbar war, sorgte für nahtlose Bräune. Doch auch die Kultur kam nicht zu kurz. Mykene mit dem Löwentor, Epidauros mit dem Amphitheater, Delphi mit dem Orakel und Olympia standen auf dem Programm. In Olympia versuchten sich Erwin und Ernst am traditionellen Stadionlauf, allerdings nicht nackt wie die antiken Athleten. Eine Gruppe unternahm einen  Ausflug auf die Halbinsel Mani ans Ende der Welt und besuchte mit dem Leuchtturm  am Kap Tenaro den südlichsten Punkt Kontinentaleuropas sowie auf der  Rückfahrt eine phantastische Tropfsteinhöhle. Ein weiterer Ausflug führte ins mittelalterliche Städtchen Nafplion am Argolischen Golf, dessen Geschichte von Byzanz, Venedig und den Türken geprägt  wurde. 1832 wurde es die erste Hauptstadt Griechenlands, als Athen noch von den Türken besetzt war. Über der Stadt thront die große Festung  Palamidi, die 1714 von den Venezianern errichtet wurde. Ein geplanter Ausflug zur Zahnradbahn Diakopto - Kalavrita kam leider nicht zustande, da die Bahn einige Tage vorher angeblich wegen Sanierung eingestellt worden war.

Das peleponnesische Meterspurnetz, erbaut überwiegend in den 1880er Jahren, präsentierte sich in erstaunlich gutem Zustand, ganz im Gegensatz zu manchen Anlagen der DB AG. Es gibt zwei Hauptlinien, die die Halbinsel jeweils an der Ostküste und Westküste umrunden:  (Athen -) Korinth - Egio - Patras - Pirgos - Kalamata und Korinth - Argos  - Sparta - Kalamata. Daneben gibt es einige Stichstrecken wie Pirgos - Olympia oder Argos - Nafplion. Es verkehren Triebwagen und lokbespannte Züge als Intercity und Nahverkehrszüge, die ICs teilweise von Athen. Alle Züge sind relativ modern und gut gefüllt. Oft sieht man ältere ausgemusterte Triebwagen in Bahnhöfen abgestellt, verschrottet wird in Griechenland offenbar nichts (erwähnte ich es schon: im Gegensatz zur DB). Trotzdem ziehen auch über dem Eisenbahnnetz des Peleponnes Wolken auf: um die Konvergenzkriterien der EU zu erfüllen, muss auch die griechische Staatsbahn OSE sparen. Von kompletter Stilllegung über Umspurung nur des Abschnittes Athen - Korinth - Patras bis hin zur kompletten Rationalisierung und Sanierung des Netzes reichen die Vorschläge. Noch ist nichts entschieden - der Bauboom für Olympia 2004 hat Vorrang. Aber ob es die Schmalspurzüge auf dem Peleponnes noch lange geben wird,  ist fraglich - ein Besuch lohnt sich.

Mittwoch, der 04.06.2003 - der Tag der Abreise. Auch für die Rückfahrt hatte Ekki wieder eine ausgeklügelte Route organisiert. Teils mit der Bahn, teils mit den Mietwagen fuhren wir nach Patras, dem größten Fährhafen der Halbinsel. Von dort brachte uns ein schwimmendes Hotel, die "Superfast Ferry XI" der gleichnamigen Reederei, in zwanzig Stunden nach Ancona in Italien. Über Rimini, Milano und Chivasso  erreichten wir am Donnerstagabend Aosta, wo noch eine Hotelübernachtung eingeplant war. Am Freitagmorgen ging es mit dem Bus durch den Tunnel des Großen St. Bernhard nach Martigny in der frankophonen Schweiz, weiter nach Montreux und mit der Montreux-Oberland-Bahn durchs Berner Oberland. Mittags aßen wir in Gstaad, wo uns die deutsche Realität einholte: Die Kioske waren voll mit Zeitungsschlagzeilen über den Todessprung von Jürgen Möllemann. Nach der Mittagspause fuhren wir weiter über Zweisimmen und Spiez nach Zürich HB. Von dort sollte uns ein Eurocity nach Stuttgart bringen. Dass es ein deutscher Zug war, merkte man gleich: die Klimaanlage war defekt. Immerhin durften wir deshalb erste Klasse fahren.

In Stuttgart trennten sich die Wege unserer Reisegruppe: die Unentwegten blieben bis Pfingstmontag beim Funtreffen, der Rest erreichte abends gegen 23 Uhr nach drei interessanten Wochen wieder Köln Hbf.
Fazit: auch frisch verliebt läuft Ekki bei der Reiseplanung und Organisation zur Höchstform auf. Wenn die wichtigste Frage des Augenblicks ("Wo ist denn meine Michi?") geklärt ist, kennt Ekkis Begeisterung für "mein geliebtes Hellas" und all die hübschen "Engelsgesichter" keine Grenzen - einfach "trauuuuumhaft!!!"
2004 gibt's bestimmt eine neue Hellas-Tour - Mitfahrt empfohlen!

Volker & Erwin

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