Euregio-Tour nach  Maastricht und Lüttich

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Samstag, 5. April 2003: Das Aachener Dreiländereck mit unseren Nachbarländern Belgien und Niederlande war diesmal unser Ziel für eine Tagesrundfahrt. Hilfreich war dabei das Tarifangebot des Aachener Verkehrsverbundes mit seinem "Euregio-Ticket", das samstags oder sonntags zwei Erwachsenen zum Preis von EUR 12,50 freie Fahrt auf den meisten Bahnlinien und allen Buslinien zwischen Düren  und Hasselt bzw. Euskirchen und Maastricht bietet.

Über 30 (!) Leute reizte diese Dreiländerfahrt mit Besuch des Lütticher Trammuseums. Im Doppelstockzug des RE 7 reiste man von Köln nach Aachen, wo ein dreiteiliger DB-Talent der Euregiobahn zur Weiterfahrt nach Heerlen geentert wurde. Die Fahrt führte zunächst über die Hauptstrecke Richtung Mönchengladbach, in Herzogenrath biegt der Zug auf die nicht elektrifizierte Verbindungslinie ab und überquert die niederländische Grenze. Ab Landgraaf (Einmündung der Regionallinie von Kerkrade) fuhren wir wieder unter Fahrdraht mit dem niederländischen System von 1500 Volt Gleichstrom.

In Heerlen hieß es wieder umsteigen, ein "Sneltrein" in Form eines zweiteiligen Elektrotriebwagens der NS (Baujahr 1964) beförderte uns weiter Richtung Maastricht. Die Strecke führt durch das reizvolle südlimburgische Hügelland - für deutsche Augen zwar nicht gerade ein Hochgebirge, bei unseren niederländischen Nachbarn als einziges Bergland der Nation aber ein beliebtes Urlaubsziel. Kurz vor Valkenburg erreicht die Bahn die historische Route Aachen - Maastricht, die 1992 leider größtenteils stillgelegt wurde. Heute verkehren auf dem stillgelegten Abschnitt die Museumszüge der "Zuid-Limburgse Stoomtrein-Maatschappij", u.a. mit schwedischen Dampflokomotiven und Uerdinger Schienenbussen ex DB. Beim Halt in Valkenburg  konnten wir einen Blick auf das älteste Bahnhofsgebäude der Niederlande werfen, das unter Denkmalschutz steht.

Auch das Empfangsgebäude in Maastricht mit seiner imposanten Halle wurde bewundert. Einige blieben noch am Bahnhof, um sich den Bahnbetrieb der NS näher anzusehen, die meisten machten sich zu Fuß auf Richtung Maasbrücke und Altstadt. Die Innenstadt von Maastricht, am linken Flußufer, bietet geschäftige Einkaufsstraßen und viele malerische Gassen mit Antiquitätenläden, gemütlichen Cafés und Restaurants. Ein besonderer Anziehungspunkt ist der größte Platz, der Vrijthof, wo sich Straßencafé an Straßencafé reiht und man schon südländisches Flair spürt.

Zwei Stunden waren für Maastricht eingeplant, dann ging es weiter Richtung Lüttich. Auf der Maastalstrecke verkehren belgische Nahverkehrstriebwagen, die die beiden Städte im Stundentakt miteinander verbinden. Während die NS Rechtsverkehr hat, fährt die SNCB bereits ab Maastricht links. Bei Gronsveld, noch auf niederländischem Boden, ist die Trennstelle zwischen den 1500 V Gleichstrom der NS und dem belgischen System mit 3000 V. Bis dahin schaukelt der für 3000 V ausgelegte Triebwagen recht beschaulich dahin, dann aber gibt er spürbar Gas. Bereits nach einer halben Stunde ist man in Liège-Guillemins, dem Lütticher Hauptbahnhof. Dieser ist zur Zeit eine Großbaustelle, weil er für die Hochgeschwindigkeitsstrecke (Köln -) Aachen - Brüssel fit gemacht wird. Die Neubaustrecke Richtung Brüssel ist seit Dezember 2002 in Betrieb, der Abschnitt Richtung Aachen im Bau.

Dank Euregio-Ticket konnten wir auch die Lütticher Stadtbusse freizügig benutzen. Die Linie 4 fährt Richtung Vennes auf der anderen Maasseite und war dank unserer Gruppe gestopft voll - umfallen konnte keiner mehr. Am Polizeipräsidium verließen wir den Bus und erreichten nach wenigen Schritten das "Museum für den öffentlichen Verkehr", das von den Verkehrsbetrieben in einem früheren Straßenbahndepot eingerichtet wurde. Rund 30 Originalfahrzeuge von der Pferdebahn bis zum O-Bus gibt es hier zu sehen, allesamt liebevoll restauriert - unsere Bildergalerie spricht für sich. Der Aachener Straßenbahnexperte Reiner Bimmermann war extra nach Lüttich gekommen, um uns in die verwickelte Geschichte der vielen Lütticher Straßenbahnunternehmen einzuführen. Neben mehreren städtischen Gesellschaften, die alle auf Normalspur fuhren, hatte auch die meterspurige SNCV (Nationale Kleinbahn-Gesellschaft) etliche Überlandlinien bis in die Innenstadt. Die letzte Straßenbahn verkehrte in Lüttich leider schon 1967. Wir nahmen uns ausgiebig Zeit, die ausgestellten Schmuckstücke zu besichtigen - darunter Raritäten wie ein O-Bus, der in beide Richtungen fahren konnte. Ein besonderes Schmankerl sind drei Wagen der Aachener Straßenbahn, die im Lütticher Museum ihre letzte Bleibe gefunden haben und an deren  Erhalt auch Reiner großen Anteil hat. Der Besuch klang im Museumscafé aus, wo es bald einen Notstand bei den Vorräten an dem köstlichen dunklen Trappistenbier gab...

Die Buslinie 26 brachte uns vom Museum auf kürzestem Wege zum Theater. Grüppchenweise wurde die Lütticher Innenstadt erforscht, deren Reiz allerdings mit Maastricht nicht ganz mithalten konnte. Interessant war auf jeden Fall der Kontrast zwischen der wallonischen Metropole und der nur wenige Kilometer entfernten niederländischen Geburtsstadt des Euro. Um halb acht abends trafen sich alle wieder im Bahnhof Guillemins. Zur Rückfahrt benutzten wir eine weitere euregionale Besonderheit: die erst im Dezember 2002 wegen des Wegfalls der Schnellzüge Köln-Ostende eingerichtete RE-Verbindung Lüttich-Aachen. Im deutschen Kursbuch nennen sich diese Züge so  schön "RE 29 EuregioAIXpress", im belgischen firmieren sie schlicht als Interregio-Linie "q". Eingesetzt werden die gleichen SNCB-Doppeltriebwagen wie zwischen Lüttich und Maastricht. Diese Züge  sind zwar nicht mehr ganz taufrisch, haben aber erstaunlich gute Laufeigenschaften und eine recht bequeme Inneneinrichtung. Wir hatten zudem Glück und  erwischten ein innen wie außen modernisiertes Exemplar.

Die Strecke Lüttich-Aachen verläuft durch das landschaftlich ungemein reizvolle Wesertal. Hier reiht sich Tunnel an Tunnel und Brücke an Brücke. Dank der am Wochenende zuvor stattgefundenen Umstellung auf Sommerzeit blieb es noch bis kurz vor Aachen so hell, dass wir die vorbeiziehende Landschaft genießen konnten. Die kurvenreiche Trassierung dieser ältesten internationalen  Eisenbahnverbindung Europas (eröffnet 1843) passt natürlich nicht ins Hochgeschwindigkeitszeitalter, daher entsteht derzeit eine neue Schnellfahrtrasse entlang der Autobahn bis kurz vor Aachen, die bis 2007 fertig sein soll. So lange müssen sich Thalys und ICE 3 noch über die alte Strecke schlängeln. Kurz hinter der deutsch-belgischen Grenze wechselten wir von Links- auf Rechtsverkehr, um dann über die frühere Seilzugrampe in den Aachener Talkessel hinunterzurollen. Bei dieser Gelegenheit wieder die beliebte Quizfrage: welche Hauptstrecke der DB ist mit 3000 V Gleichstrom elektrifiziert?

Für einige war in Aachen Hbf bereits Endstation, die meisten benutzten noch den NRW-Express bis Köln, wo die Eindrücke des Tages noch bei der "Fischerin" begossen worden sein sollen - der Berichterstatter war nicht mehr dabei
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Hans

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