Februar 2004 -
Mit der Straßenbahn durch Düsseldorf

Am Sonntag, den 8. Februar 2004, war als erster Ausflug des Jahres eine Fahrt per DB, Regiobahn, Straßenbahn und Stadtbahn (U-Bahn) zu den Nachbarstädten Neuss, Düsseldorf und Ratingen angesetzt. Das Düsseldorfer Straßenbahn-/Stadtbahnnetz der Rheinischen Bahngesellschaft AG, kurz Rheinbahn genannt, kann man wegen seiner großen Linienanzahl und Linienlänge nicht an einem einzigen Nachmittag abfahren, wenn man es etwas gemütlicher angehen lassen will und Cafe- und Fotopausen einplant. Daher hatte Manfred für seinen Fahrplanentwurf einige Linien ausgewählt, die zugleich auch ein paar signifikante Besonderheiten aufwiesen. Neben einer Neubaustrecke mit Rasenoberbau sowie der steilsten Straßenbahnstrecke Düsseldorfs lernten wir auch die Gleisverschlingung auf der Ratinger Strecke sowie das Wende-Gleisdreieck in Hamm kennen. Zuletzt bekamen wir noch einen kurzen Eindruck vom viergleisigen zweistöckigen Düsseldorfer Stadtbahn-Tunnel.

Doch zunächst ging es vom Kölner Hauptbahnhof nicht auf dem direkten Weg per Regionalexpress über Leverkusen nach Düsseldorf, sondern mit dem „Kurvenzug“, der über Horrem, Bedburg und Neuss verkehrt. Einige Fahrtteilnehmer guckten dann auch ganz verdutzt, als der Triebwagen in die verkehrte Richtung fuhr, nämlich auf der Strecke nach Düren und Aachen, also nach Westen statt nach Norden. Mit 26 „Flügelrädlern“ und Gästen sowie ein oder zwei weiteren Reisenden war der VT 628 für einen Sonntagvormittag gut besetzt. In Horrem bog der Zug über die Verbindungskurve auf die Strecke nach Bedburg ab - jetzt wurde es auch dem letzten Zweifler klar, woher der Spitzname „Kurvenzug“ für diese Verbindung Köln - Düsseldorf stammt.

Die Fahrt nach Neuss führte an den Tagebauen und Kraftwerken von Rheinbraun und RWE vorbei, wobei nicht nur die „Wolkenfabriken“ (Kühltürme) kräftig Wolken produzierten - auch die ohnehin schon überreichlich vorhandene natürliche Bewölkung und deren Abfallprodukte verhießen alles andere als Fotowetter für diesen Tag. In Neuss verließen wir den Zug und setzten die Fahrt nach Düsseldorf mit der Straßenbahnlinie 709 fort, deren Endschleife in direkter Nähe zum Neusser Bahnhof liegt. Die Fahrt ging zunächst nach Süden durch die Fußgängerzone, um das Neusser Stadttor (Obertor) herum und über die Südbrücke auf die andere Rheinseite, die bei den Kölner die „Schäl Sick“ genannt wird, aber in Düsseldorf ist alles anders - da ist die rechte Rheinseite die richtige und schöne Seite. Am Südfriedhof stieß Axel noch dazu und wurde mit „Hallo“ begrüßt.

Die Linie 709 führt von Neuss über die Haltestellen Neuss Stadthalle, Südfriedhof (hier wendet sie sich nach Norden), Bilker Kirche, am neuzeitlichen Düsseldorfer Stadttor vorbei, dem Sitz des Landesfürsten, zum Hauptbahnhof, sodann durch die Stadtteile Flingern und Grafenberg nach Gerresheim Krankenhaus. Hinter dem Staufenplatz in Grafenberg erklimmt die Bahn auf steiler Straße die Grafenberger Höhe und biegt beim Abzweig „Auf der Hardt“ auf die relativ neue Strecke zum Gerresheimer Krankenhaus ab.

Die weitere Tour ging erst einmal auf dem gleichen Linienweg zurück bis zum Arbeitsamt an der Schlüterstraße, wo wir in einen Wagen der 712 nach Ratingen wechselten. Die Fahrt verlief wieder nordwärts, womit wir dann an der Stadtgrenze zu Ratingen das Düsseldorfer Stadtgebiet einmal diagonal durchquert hatten. Die Linie 712 (für „alte“ Düsseldorfer ist es nach wie vor die „12“ - ohne die vom Verkehrsverbund Rhein-Ruhr verhängte „700“) führt in Grafenberg neben der Trasse einer heute aufgegebenen und abgebauten Eisenbahnstrecke her. Die Lokomotivfabrik Hohenzollern war hier angesiedelt - heute ist das Gelände aber keine Industriebrache mehr, sondern von Neubauten überbaut. Die ehemalige Eisenbahntrasse ist zu einer Straße umgewidmet worden, die neben den Gleisen der Linie 12 verläuft. Entlang des Grafenberger Waldes fuhren wir Richtung Ratingen. Die früher eingleisige Strecke mit einer Ausweiche wurde mit dem sogenannten Stab-Verfahren gesichert: Nur wer den Stab der jeweiligen Strecke hatte, durfte den eingleisigen Abschnitt befahren. Heute ist die Strecke zweigleisig ausgebaut bis auf eine Engstelle an der Unterführung unter der DB-Strecke nach Essen. Eine Gleisverschlingung ersetzt hier komplizierte Weichen - ist aber betrieblich wie eine eingleisige Strecke zu betrachten und wird daher mit Signalen gesichert.

In Ratingen fielen wir, einem Heuschreckenschwarm ähnlich, in eines der dortigen Cafes ein - Manfred hatte vorgesorgt und für unsere Gruppe Plätze reserviert. Die Erstürmung des Cafes am Markt war für beide Seiten ein Segen - wir konnten dem gerade einsetzenden eisigen Schneeregen entkommen, und die Cafehaus-Besitzer hatten ein nicht unwillkommenes Zusatzgeschäft mit Kuchen und diversen aromatischen Heißgetränken. Gestärkt für weitere Bahntouren verließen wir Ratingen und fuhren mit der Niederflurstraßenbahn zurück nach Düsseldorf, ab Uhlandstraße mit der Linie 708 nach Hamm, wo die Züge der Rheinbahn auf freiem Feld („Kappeshamm“) in einem Gleisdreieck wenden. Das Wendemanöver wurde ausgiebig bewundert,dann warteten wir am nahen S-Bahn-Haltepunkt Düsseldorf-Hamm auf den Zug der S 28, einen Dieseltriebwagen der privaten Bahngesellschaft mit dem unaussprechlich langen Namen „Regiobahn Kaarst-Neuss-Düsseldorf- Erkrath-Mettmann-Wuppertal GmbH“. Der Name ist Programm: jede beteiligte Stadt wird vom Talent-Triebwagen angefahren, allein die zuletzt zu den Gesellschaftern der Regiobahn gestoßene Stadt Wuppertal muß noch auf die Weiterführung von Mettmann bis Wuppertal warten, denn die DB hatte vor Jahren zwischen Dornap und Wuppertal wegen Unlust am Bahnbetrieb sämtliche Schienen abgebrochen.

Talentiert erreichten wir in schneller Fahrt den Hauptbahnhof. Hier stiegen wir hinab in die modernen Katakomben, wo auf vier unterirdischen Gleisen die Düsseldorfer U-Stadtbahn verkehrt. Doch zunächst ging es wieder nach Süden - den viergleisigen Stadtbahntunnel Heinrich- Heine-Allee - Hauptbahnhof befuhren wir erst auf der Rückfahrt. In Oberbilk wechselten wir zur oberirdisch verkehrenden Straßenbahn 715 nach Eller und fuhren von dort mit der U 75 zurück mit Kurs auf die Düsseldorfer Altstadt. Hier wollten wir ein Stückchen von der „längsten Theke der Welt“ besetzen beim Verzehr von etwas Nahrhaftem und einer noch nicht festgelegten Anzahl Alt, wobei das Bier nicht zu alt sein sollte. Der Abend klang aus im Brauhaus „Füchschen“, wo Manfred für unsere hungrige und durstige Runde ausreichend Tische reserviert hatte, während in einem Nebenraum ein Düsseldorfer Karnevalsverein sich auf die bevorstehenden Tollen Tage einstimmte.

Henning

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