Flügelradtour nach Dresden -

September 2005

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Das diesjährige Ziel für unsere Herbstreise war Dresden. Vom Wetterszenario erinnerte es mich an unsere Vorjahres-Moseltour. Wochenlang war es sonnig und warm, und ausgerechnet jetzt machte der Sommer wieder mal eine Pause. Und dieses Mal war es ebenso. Das Wetter war durchwachsen, als wir am Donnerstag losfuhren. Während der Fahrt wechselte schon die Farbe des Himmels ständig zwischen tiefblau und grau-schwarz, aber als wir in Dresden-Neustadt ankamen, gab die Sonne mal eben wieder ein Gastspiel. Von dort zu unserem Hotel, dem Martha-Hospiz, sind es nur wenige Schritte zu Fuß. Es war schon spät nachmittags, und nach dem Einchecken hatten wir uns zu einem kleinen Stadtrundgang verabredet.

Wir streiften durch die kleinen Gassen der Neustadt, die meisten Häuser hier sind zwischenzeitlich restauriert, aber es gibt doch noch einige Gebäude, die ein trauriges Dasein fristen und es wert wären, sie wieder zu neuem Leben erwachen zu lassen. Es wird schwer sein, hier die passenden Investoren zu finden. Gleich um die Ecke, auf der Hauptstraße, das ist die breite Allee zwischen Albertplatz und Goldenem Reiter - er stellt August den Starken dar - ist die sozialistische Vergangenheit in Form der Plattenbauten noch reichlich zu finden. Viele dieser Betonblöcke wurden renoviert und im Äußeren völlig umgekrempelt und sehen jetzt ganz ansehnlich aus. Leider fing es jetzt an zu regnen, als wir am Goldenen Reiter ankamen. Ein guter Grund für eine Einkehr, ein Ableger des Ballhaus Watzke, gleich nebenan, mit seinem selbst gebrauten Bier, machte uns die Entscheidung leicht. Als sich der Regen wieder verzogen hatte, schlenderten wir in Richtung Altstadt. Von der Augustusbrücke aus kommend liegt vor uns das prächtige Schloss, rechts davon der wunderschöne Theaterplatz und dahinter gleich der Zwinger. Hier sind alle Highlights auf kleinstem Raum gebündelt. Nach einem Rundgang gingen wir vom Taschenberg-Palais durch den Zwinger Richtung Schauspielhaus und von dort zum Schießhaus, einem netten Restaurant mit rustikaler Atmosphäre. Kaum vorzustellen, dass die Häuser hier im Sommer 2002 beim Jahrhunderthochwasser bis zum 1. Stock hoch unter Wasser standen. Die Schäden sind alle beseitigt, nur im Restaurant erinnern einige Bilder an die Flutkatastrophe.

Für den nächsten Tag spielte das Wetter nicht so mit, wie wir uns das so dachten. Das geplante Ausflugsprogramm mussten wir kurzfristig ändern, und so war es naheliegend in Dresden zu bleiben. Dietmar, ein guter Freund von unserem „Schängelchen“ Eckart, bot sich als Stadtführer an und zog mit uns sach- und fachkundig durch die Neu- und Altstadt. Er kennt sich gut aus in Dresden und weiß viel zu erzählen aus Geschichte und Gegenwart, verziert mit so manchem Anekdötchen. Leider fing es irgendwann wieder an zu regnen. Glücklicherweise waren wir gerade am Schloss, und das Verkehrsmuseum liegt ja nur wenige Schritte entfernt. Nachdem wir alte Autos, Eisenbahnen, Waggons, Straßenbahnen, Flugzeuge und noch so manches andere ausgiebig begutachtet hatten, gönnten wir uns erst mal eine Pause bei Kaffee und Kuchen, wie es sich für richtige Männer gehört!
Da es immer noch nieselig war, kamen wir schnell auf die Idee, mit der Straßenbahn nach Blasewitz zum „Blauen Wunder“ zu fahren. Die alte Elbbrücke, deren Stahlkonstruktion nach dem Anstrich blau angelaufen ist, führt rechts der Elbe nach Loschwitz. Es gehört zu den schönsten Ecken von Dresden. Wenn das Altstadtpanorama Elbflorenz genannt wird, hat das rechte Elbufer mit seinem steil ansteigenden Hinterland und den einzeln verstreut liegenden weißen Villen einen Hauch von mediterranem Flair zu bieten, bei schönem Wetter zumindest. Leider war alles grau in grau. Direkt jenseits der Brücke auf der rechten Elbseite befinden sich die Standseil- und die Schwebebahn, die verschiedene Stadtteile auf den Elbhöhen verbinden, jedoch von einem Taleinschnitt getrennt voneinander liegen. Die Schwebebahn ist technisch gesehen mit der in Wuppertal zu vergleichen. Die sehr schön restaurierten Tal- und Bergstationen, und die alten Fahrzeuge machen eine Fahrt lohnenswert. Wir haben natürlich beide ausprobiert, und nachdem wir mit der Standseilbahn auf dem hoch gelegenen Stadtteil Weißer Hirsch angekommen waren, gingen wir von dort zu Fuß zur Straßenbahn, um dann zurück zum Hotel zu fahren. Mittlerweile war es später Nachmittag geworden; den Abend haben wir ausklingen lassen im „Wenzel“, einem gemütlichen tschechischen Lokal in der Neustadt.

Am Samstag tendierte der Himmel leider immer noch nicht zum Besseren. Wir wollten aber unsere ursprüngliche Planung nicht schon wieder über den Haufen werfen. So blieb es also bei unserem Ausflug ins Elbsandsteingebirge.
Mit der S-Bahn fuhren wir nach Bad Schandau. Der Bahnhof liegt auf der linken Elbseite. Um in die Stadt zu gelangen, muss man mit dem Bötchen zum rechten Elbufer wechseln. Vom Kurpark fährt die Kirnitzschtalbahn zum Lichtenhainer Wasserfall. Hier rumpeln noch die alten Gothaer Straßenbahnwagen, leider von innen mit geschmacklosen und unpassenden „modernen“ Polstersitzen verschandelt, das Kirnitzschtal rauf bis zum Wasserfall. Dieser ist letztlich nur ein Kunstgebilde und erinnert mehr an einen Plätscherbach als an einen Wasserfall. Der leichte Nieselregen verdarb uns die Laune auf die geplante Wandertour zum „Kuhstall“, eine von vielen Felsformationen in der Sächsischen Schweiz mit schöner Aussicht. Das nahe der Haltestelle gelegene Restaurant war leider schon zu gut besucht, also mussten wir umdisponieren.
Unser Hans hatte die Idee mit der Müglitztalbahn nach Altenberg zu fahren. Gesagt, getan. Wir fuhren also zurück nach Bad Schandau, um von dort mit der S-Bahn nach Heidenau zu fahren. Der Dieseltriebwagen führte uns durch das schöne waldreiche Tal vorbei an Schloss Weesenstein. Auch dieses Tal war stark von der Flutkatastrophe betroffen, und jeder hat noch die Bilder von den reißenden Wassermassen aus dem Fernsehen vor Augen, die den kleinen Ort unterhalb des Schlosses fast wegspülten. Heute sind aber die meisten Schäden beseitigt. Auch die Bahnlinie war lange Zeit nicht in Betrieb, wurde aber Gott sei Dank wieder in Stand gesetzt und ist erst seit kurzem wieder betriebsfähig. Die Strecke streift auch das kleine Örtchen Glashütte, das ja durch seine Uhrenproduktion weltweit bekannt ist. Oben in Altenberg, 750 ü.d.M., war es lausig kalt. Jeder, der einen Pullover bei sich hatte, konnte sich glücklich schätzen. Nach einem zweistündigen Aufenthalt und Rundgang durch die Stadt fuhren wir zurück nach Dresden. Wir haben dort unseren letzten Abend zünftig im Bierkeller vom Paulaner im Taschenbergpalais ausklingen lassen.

Am nächsten Morgen hieß es dann schon Abschied nehmen von Dresden. Jetzt, wo die meisten von uns wieder den Heimweg antreten mussten, erwartete uns ein wunderschöner sonniger Tag. Einige von uns blieben noch etwas länger und fuhren erst abends nach Hause oder nutzten die Gelegenheit um von hier noch weiter Richtung Tschechien oder Polen zu fahren. Der Sonntag-Vormittag war jetzt ideal, um den Aufstieg auf die Kuppel der Frauenkirche zu wagen. Im September war sie ja noch nicht offiziell zu besichtigen. Aber die Treppen führen durch das Innere der Kuppel, und man erhält dabei immer wieder einen Rundumeinblick in den Kirchenraum. Es war eine Vorpremiere sozusagen. Der Ausblick oben war beeindruckend, und dazu hatten wir auch noch klare Sicht und konnten weit ins Land bis zum Elbsandsteingebirge gucken.
Schade, dass die Zeit so kurz war. Wir hätten gut und gerne noch einige Tage hier bleiben können. Es gibt genug zu sehen. Schade auch, dass wir die geplante Schiffstour mit dem Raddampfer wegen des schlechten Wetters ausfallen lassen mussten. Na ja, man kann halt nicht alles haben… Vielleicht beim nächsten Mal.

Klaus J., Köln

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