Mit der Straßenbahn durch Dortmund
9. April 2006

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Die Wetterfrösche hatten Regen angesagt, aber wir hatten wieder mal unseren eigenen Sonnenschein dabei. Und tatsächlich wurde es deutlich besser als im Wetterbericht des Vortages angedroht. Die Sonne schien und die Laune stieg. Am Info-Point in der Bahnhofshalle in Köln trafen sich gegen 10.00 Uhr die ersten 9 Fahrt-Teilnehmer, zwei weitere warteten bereits auf dem Bahnsteig, als der RE 7 einfuhr, und bei der Ankunft in Wuppertal Hbf  erhielt die Gruppe weiteren Zuwachs. Ziel der schnellen Fahrt mit dem Regionalexpress war Unna und nicht etwa Dortmund. In Unna wuchs die Gruppe auf insgesamt 17 Teilnehmer, und weiter gings mit der S 4 um 11.53 Uhr über die Schleifenfahrt nach Unna-Königsborn an der alten Westfälischen Eisenbahnstrecke Dortmund Süd - Welver, die heute auf einem Teilstück von der S 4 befahren wird, und weiter nach nach Dortmund-Wickede. Neben dem dortigen S-Bahnhoff liegt heute der Endpunkt der Straßenbahnlinie 403 der Dortmunder Stadtwerke AG (DSW). Das Streckengleis endet stumpf unterhalb des Bahnsteiges der S-Bahn. Bei unserer Ankunft war erst einmal keine Straßenbahn zu sehen. Erst nach ein paar Minuten traf ein Zug, bestehend aus zwei N-Wagen der DSW ein, wurde fotografiert und auch sogleich für die Weiterfahrt „geentert“.

Früher bestand in Wickede ein Bahnübergang mit Kreuzung der Schienenstränge von Straßenbahn und Staatsbahn, und die frühere Landkreisstrecke der Straßenbahn führte eingleisig in Straßenseitenlage weiter bis Unna Bahnhof. Auch heute ist von Wickede bis Brackel die Strecke der Linie 403 noch eingleisig in Seitenlage. Ausweichen in Wickede und Asseln erlauben das Kreuzen mit Gegenkursen. Schleifen in Brackel und Wambel (erbaut zu Zeiten der  Einrichtungswagen) wurden früher für Verstärkungskurse genutzt, die nicht die gesamte Strecke bis zur Endhaltestelle Wickede fahren. Heute fahren die Zwischenkurse bis zum Stumpfgleis Wickede Post durch, zwei Haltestellen vor Wickede S-Bf.

Die eher ländliche bzw. vorstädtische Bebauung von Wickede und Asseln wurde streckenweise von Wiesen und Äckern abgelöst. Das alte Zechengelände in Asseln war an der Bergehalde und den Auslieferungs- und Lagerhallen großer Lebensmittel-Ketten noch deutlich auszumachen. Je näher wir zur Innenstadt kamen, umso städtischer und geschlossener wurde die Bebauung. Die Haltestellen waren teilweise schon stadtbahnmäßig ausgebaut mit 30 cm-Bahnsteig, modernem Wetterschutzdach und weiterer „typischer“ Haltestellenmöblierung, die in Dortmund durch auffallend monströse hohe Schaltschränke für die elektrische Ausrüstung ergänzt werden. Die Strecke wird zur Zeit (parallel zur betriebstechnischen Ausrüstung des Ost-West-Tunnels) stadtbahnmäßig für Niederflurfahrzeuge ausgebaut. Zwischen Ostentor und Heinrichstraße wird die Straßenbahn künftig im Tunnel geführt, der zur Zeit noch im Bau ist bzw. betriebstechnisch ausgerüstet wird (Schienen, Signale, Fahrleitung und Stromversorgung) und daher auch noch nicht befahren werden kann.

Außer der Linie 403 gibt es in Dortmund nur noch die 404, die als Straßenbahn angesehen werden kann, alle anderen Linien der DSW sind Stadtbahnlinien, die mit Stadtbahnwagen B (Typ B80C sowie einige ex Bonner B100) befahren werden und in der Innenstadt im Tunnel geführt werden. Die Tunnelbahnhöfe haben alle Hochbahnsteig, die Außenstrecken der mit einem „U“ gekennzeichneten Stadtbahnlinien sind weitgehend auch mit Hochbahnsteigen ausgerüstet, bei einigen Haltestellen muß jedoch noch nachgerüstet werden.

Wir stiegen an der Reinoldikirche in die Linie 404 zur Westfalenhütte um und und fuhren von der dortigen Endhaltestelle vor dem Werkstor von ThyssenKrupp Steel umgehend wieder zurück in die Innenstadt und bis zur anderen Endhaltestelle: Marten Walbertstraße. Die Straßenbahnlinie 404 wird ebenfalls mit N-Wagen betrieben, hier fuhr jedoch ein Solowagen. Bei Tunneleröffnung ca. 2008 wird die Linie 404 in den Ost-West-Stadtbahntunnel über die nördliche Rampe am Ostentor und einen eigenen Abzweigtunnel geleitet. Westlich des Dortmunder Wallringes wurde die Szenerie der Häuser und Industrieanlagen grau bis graubraun und eher unansehnlich. An der Ruine der Union-Brauerei vorbei und dem früheren Union-Werk von Hoesch und deren Hauptverwaltung (heute Versorgungsamt der Stadt Dortmund) fährt die Straßenbahn bis Dorstfeld Betriebshof zweigleisig, nach Unterqueren der Eisenbahn folgen wieder eingleisige Abschnitte in Straßenmitte, und am Bahnhof Marten Süd erreicht die Straßenbahn wieder die S-Bahn-Linie S 4. Eine Haltestelle weiter ist auch schon wieder Schluß mit Straßenbahn. Bis Anfang der 60er Jahre ging es hier noch weiter bis Lütgendortmund (heute durch S 4 erschlossen) und Castrop.

Zurück in der Innenstadt gab es eine ausgedehnte Kaffeepause in der Nähe der Haltestelle Reinoldikirche. Dann ging es nach kurzer Besichtigung des noch nicht in Betrieb befindlichen Bahnsteigs für die Ost-West-Linie unterirdisch weiter mit U 46, U 45 und U 47 über Westfalenhallen, Hauptbahnhof und Hafen nach Westerfilde.

Die Stadtbahnlinien U 45 und U 46 werden mit B-Wagen betrieben, die in Dortmund mit Polstersitzen ausgestattet sind und auffallend sauber sind. Wegen einer Messe in den Westfalenhallen waren die Züge der U45/U46 jeweils um einen achtachsigen B-Wagen verstärkt worden. Ohne Umsteigen in der Haltestelle Westfalenhallen - dort wird lediglich die Linienbezeichnung gewechselt - fuhr der Stadtbahnzug über einen eingleisigen Abzweig zum Remydamm, die Strecke wird wieder eingleisig und fädelt sich über eine Rampe in den anderen Tunnel der von Hacheney kommenden U 49 ein. Im U-Bahnhof Stadtgarten ist der Kreis wieder geschlossen, doch die U 45 fuhr eine Etage höher Richtung Hauptbahnhof weiter als die ab Reinoldikirche benutzte U 46, die hier in der Ebene -2,5 liegt (die Fußgängerzwischenebene zählt jeweils nur als halbe Ebene).

Im U-Hauptbahnhof war wieder Umsteigen angesagt (Umsteigen am Bahnsteig) in die U 47 nach Westerfilde. Diese Linie wird mit den um ein Mittelteil verlängerten B-Wagen betrieben. Nördlich des Hauptbahnhofs fährt die Linie ab Hafen wieder ebenerdig und ist bis Westerfilde stadtbahnmäßig ausgebaut. Nördlich Huckarde konnte man im Vorbeifahren noch ein Fördergerüst einer ehemaligen Zeche sehen - der Steinkohlebergbau ist in Dortmund längst Geschichte ebenso wie die Stahlerzeugung. Weiter nördlich in Obernette wurde es wieder ländlich und es folgte die rechtwinklige Kreuzung mit einer zweigleisiger elektrischen Güterstrecke der DB. Die Gleiskreuzung wird von der Stadtbahn in Schrittgeschwindigkeit befahren, und die Anlagen der Stadtbahn selbst sind nur eingleisig. Zwar gibt es Schrankenbäume, die der Stadtbahn den Weg versperren können, doch die Kreuzung wird durch Lichtsignale und Gleismagnete abgesichert. Die U47 endet nördlich Obernette nach flotter Fahrt über freies Feld ebenerdig neben dem S-Bf Westerfilde. Die weiterführende Strecke bis Mengede wurde nach dem Bau der S 2 wegen der Parallelführung zur DB eingestellt.

Auch in Westerfilde hielten wir uns nicht auf und fuhren mit dem gleichen Wagen wieder zurück. Zurück brachte uns die U 47 nach Aplerbeck, doch am Hauptbahnhof verließen bereits die ersten müden Krieger die Flügelradtruppe. Nach Durchqueren des Innenstadttunnels fährt die U 47 ab Tunnelmund im Grünstreifen des Westfalendamms (B 1), nach dem Abbiegen Richtung Süden größtenteils wieder eingleisig bis zur Endhaltestelle Aplerbeck. Nach kurzer Pause ging es von dort wieder zurück zum Hbf.

Ende der vielen Fahrten mit Straßenbahn und Stadtbahn war in Dortmund Hbf gegen 17.30 Uhr. Die Rückfahrt nach Köln erfolgte mit dem ewig vollen RE 1 Richtung Köln und Aachen etwa eine Stunde früher als geplant um 17.45. Für die letzte Gruppe, die nach dem Auseinanderdriften in Düsseldorf und Köln übrig blieb, klang der Tag aus mit einem Abendessen im gemütlichen Bürzel bei Kerzenschein und lecker Kölsch.

Henning

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